Woran denkt ihr beim Thema Masturbation?
Ekelt es euch oder seid ihr doch eher Team Glückshormon Strom?
Denkt ihr an jemanden oder denkt ihr an euch?
Daheim, wahrscheinlich allein,
Am Stöhnen, am machen, denn aus der Lust soll gedeihen:
Leid, eine Last – hat das auch einer bedacht?
Wär doch gelacht, wenn das wirklich durchweg glücklich macht.
Und dass das leider nicht so einfach ist,
Hat auch einer gelernt, der hier und heute vor und mit euch drüber spricht.
Es ist gar nicht so lang her,
Aber wer überhaupt ist dieser Er?
Vielleicht mein 13 jähriges Ich?
So genau weiß ich’s leider nicht.
Damals gab es Stress in der Schule und Stress im Eigenheim,
Und was macht er dagegen? Na er schließt sich daheim ein
Nicht hinter Schlössern oder Türen
Und doch so, dass er langsam anfängt all das Leid nicht mehr zu spüren
All das Leid das ihn bedrückt,
Das Leid, wegen dem er im Stillen still und heimlich resigniert
Das Leid, wegen dem er im Stillen still und heimlich masturbiert.
Und heute könnte für ihn alles wohl so einfach sein,
Wäre da kein drittes Bein.
Doch er vernahm in der Vergangenheit viel zu viel Geschrei
Und musste viel zu häufig weinen
Und so kommt es, dass er ab heute anfängt, sich langsam selbst zu heilen:
Antriebslos
Er kommt heim und taucht ein,
Ein in eine Welt, wie in ein Meer,
Das ihn nach unten zieht
Und immer stärker festhält.
Ein Meer, dem die Wellen fehlen,
Auf denen man surfen kann,
Ein Meer ohne Freude, ohne Spaß,
– Ein Meer ohne Klang.
Kein Rauschen, dass ihn berauscht,
Keiner der lauscht,
Und doch welche die inzwischen würden,
Nur zu spät – dank zu vieler Hürden.
Hürden hoch wie Mauern,
Die er nach langem irren in den wirren Gängen seines Selbst,
Gefunden und entwunden,
Wunden, die zu heilen jedoch nur einer versucht.
Nur einer, der nach einer Lösung sucht.
Erlösung.
Das wäre für ihn schon einiges wert.
Doch blöd, dass diese nur währt,
Wenn er allem um sich rum ein schnelles Ende beschert.
Und so bleibt er gefangen im Sog der Sorgen,
Erlebt jeden Tag wie morgen
Weil er lebt ohne es wahrzunehmen,
Da die Vergangenheit es wagte, ihm wahrhaft alle Emotionen wegzunehmen.
Und das Schlimme:
Die Vergangenheit, die bleibt erhalten,
Ein beschissenes Gefühl, doch es liegt nicht in seiner Gewalt,
Denn diese hat er bleiben lassen, nicht aus Pazifismus,
Nein, sie hat ihn einfach kalt gelassen.
Diese rasende Wut, die ihn stets immer überkam,
Die Tobsuchtsanfälle, das Schreien, der Lärm,
All das, das wollte er nicht mehr, so sehr,
Dass er überlegte, einfach gar nicht mehr zurückzukehren,
Doch auch diesen Gedanken verdrängte er
Und so liegt er heute wie damals im Bett,
Lässt die Gedanken kreisen, herumschweifen
– Und hat plötzlich einen Steifen.
Und er weiß nicht, wie er’s ändern kann
Und macht sich wieder einen Porno an.
Denn er hat inzwischen gelernt zu reflektieren und doch nie gelernt zu reden,
Über Probleme, über sich und seine innersten Wehwehchen.
Und so fing damals etwas an,
Dass ihn bis heute fast täglich überkam.
Ein Gefühl wie ein Krake, der sich um und in seine Synapsen krallt,
Bis im Kopf nur ein Ziel widerhallt,
Ein Verlangen, dass mit aller Gewalt
Schreit, dass er kommen soll und das ganz bald.
Hoch zum Klimax und hinüber,
Ab zum Zenit und da noch drüber,
Den Orgasmus wollen wir erreichen und um dies zu schaffen,
Müssen wir das Tempo nochmal steigern,
Denn wir wollen kulminieren und uns im Rausch des Glücks verlieren
Und so muss die Hitze affig sein,
Damit wir zum Schluss zumindest kurz an ihrer Spitze hoch oben hier verweilen,
Denn hoch oben, hier ist’s heiß, es funkt,
Und so haben wir’s geschafft, wir sind am Siede –
Punkt. Aus. Ende. Hier folgt die Gedanken-Wende:
Höher, schneller, weiter,
Immer härter, größer, geiler
Ja so steigern sich die Sucheingaben,
Egal welchen Namen diese Pornhubs tragen
Nur ist heute etwas anders:
Heute währt der Spaß für 10 Sekunden,
Danach ist restlos alles Glück, alles Dopamin verschwunden
Damals noch wollte er den Stress verdrängen
Heute dagegen lässt er sich von der Nachwirkung einengen
Denn aus Spaß wurde Ernst und Ernst ist mittlerweile 6 Jahre alt,
Ein Krake, der sich mittlerweile seit 6 Jahren in seine Gedanken krallt.
Und den Halt verloren hat er dadurch schon lang
Doch er gibt nicht auf und schreit weiter stets dagegen an
Dass er den Spaß vertagen will
Doch heraus kommt nur: “Nein, mach weiter und sei still.”
Abgestumpft und ungeziem,
Gibt er sich so wieder mal den Gelüsten hin
Im klaren Wissen, dass was er da tut
Weder Spaß bringt noch ihn sagen lässt: “Hach, fühl’ ich mich gut!”
Denn mit Genuss des Ganzen ist’s schon lang vorbei,
Aus Spaß wurde ernsthaft eine Suchtkrankheit
Und so ging er unter, in dem Meer das nicht lauscht
Stets auf der Suche nach einem härteren Rausch
Ein Dauerlauf, den gewinnen er nicht kann
Denn immer wieder fängt der Sucht Zyklus neu an
Und dann braucht er viel Kraft um sich oben zu halten,
Um nicht abzutauchen, sondern stattdessen diese Scheiße einfach abzuschalten
Und mit Suchtmittel Verlagerung,
Zu Fantasie, Bewunderung
Von Bildern und Geschriebenem
Löst er sich trotzdem nicht von all dem Hinterbliebenen.
Trotzdem bleibt er erwartungsvoll und dennoch ist klar,
Die Zukunft, die scheint momentan, leider nicht so wunderbar.
Es muss sich etwas ändern, doch das schafft er nicht allein,
Vielleicht sollte ich diese Geschichte ja wirklich etwas öfter teilen.
Und genau das tue ich hier und heute Abend,
Ich breche ein Tabu und hoffe dass sie dies nicht schon satt haben,
Denn nun folgt noch die Moral der Geschicht’
Und seid nicht besorgt, es geht nicht ausschließlich um Verzicht.
Was habe ich gelernt? Aus meiner Vergangenheit?
Dass ich mich ihrer stellen muss? Dafür bin ich wohl bereit.
Und auch wenn dies nicht ganz so einfach ist,
Gerade wenn man nicht mal unter 4 Augen allzu gern darüber spricht
Bin ich doch froh es hier und heut’ getan zu haben,
Darf ich ihnen schließlich nun noch folgenden Appell vortragen:
Vielen wird es ähnlich gehen,
Nicht unbedingt mit Pornos, aber doch mit ähnlich unbequemen Themen
Themen, die totgeschwiegen in der Versenkung genannt Leiden landen
Und dort unten Tag für Tag unser aller Dasein misshandeln
Warum handeln wir nicht jetzt?
Warum wird sich immer noch viel zu selten widersetzt?
Wir müssen aufklären,
Uns gegen Tabus wehren
Denn ohne sie wären viele vielleicht besser dran
Und vielleicht konnte ich dazu beitragen, dass sich dieser Zustand bessern kann
Denn wenn der Druck mal wieder zu groß wird,
Bestellt euch keine Liebe auf Knopfdruck
Sondern öffnet eure Seelen, fangt an euch zu erzählen
Was euch in der Seele brennt, euch hemmt
Und raus muss schon ganz lang
Denn das ist die Message
Ein Tabu ist immer der Punkt an dem alles begann
Von all der Scheiße, immer aller Anfang.
Und daher: Fangt an!
vielen Dank!