Heute ist mein freier Tag
Ein Tag für Freizeit,
weil ich die so mag
Ein Freitag.
Hab mich verabredet mit Freunden,
hatte Träume, die wir schließlich gemeinsam träumten
und am nächsten Morgen wach ich auf,
Haare zerzaust,
nach einer langen Partynacht,
wie immer bis zum Schluss verbracht.
Weil Freizeit doch so kostbar ist,
jetzt wo jeder seinen Fortschritt misst.
Ach mist denk ich und wache auf,
der Griff zum Handy, ihr kennt ihn auch
und so geht alles den gewohnten Lauf.
Ich Blick in Insta
Sitze da
und denk’ zurück an das, was gestern war.
An all die Runden, die die Runde machten,
an all die Späße, über die wir lachten
Und ganz entscheidend diesen einen Moment,
den keiner kennt,
der ihn damals und dort verpennt.
Hatte – ich gedacht,
doch hat sich da wohl einer die Mühe gemacht,
mit wenigen Klicks diesen Traum platzen zu lassen,
Wikileaks und dann in Filter blasen
Filterblasen,
die unsere Träume aus Filtern aus lasen,
uns die Hoffnung machten, dies würde unserem Wohle dienen,
und doch sind am Ende wohl sie es, die an uns verdienen.
Ich blickte auf das Bild und sah,
Dass all dies nicht nur für uns geschah.
Ein Moment für uns – bis in alle Ewigkeit,
Den heute doch schon jeder teilt.
Und so fing ich an schnell zu kapieren,
dass dieser Traum geplatzt ist,
wie ein Luftballon beim Fliegen,
weil der Druck zu groß war
– Das ist mir jetzt sonnenklar.
Daher frage ich mich,
Was ist, dass uns dort in der Wolke stets umtreibt,
was uns drin behält und doch verschweigt,
dass der Dampf um uns so toxisch ist,
toxisch wie ein Nervengift.
Dem wir verfallen sind wie Drogen,
wegen dem wir uns selbst schon viel zu oft belogen,
wegen dem wir wahnhaft in den Spiegel schauen
und unsere Existenz dann noch bedauern.
Der Name allen Übels: Social Media,
egal ob Insta, Snapchat, Facebook ja,
die Frage, die sich offenbart,
ob der Name hier bloß viel verspricht,
oder halten kann, was er besagt?
Was bedeutet denn für uns sozial?
Und wann wird vielleicht dies zur Qual?
Bedeutets, dass wir uns vernetzen können, mit allen anderen auf dieser Welt,
oder meint es, dass uns das Medium dann doch stets im Netz gefangen hält?
Uns stresst und immer noch mehr abverlangt?
Und trotz des Wissens darüber, bleibt dies dann leider unerkannt.
Und werden die Algorithmen erst zu den Rhythmen unserer Leben,
so haben wir gar wirklich die Kontrolle hergegeben.
Kontrollverlust bedeutet, dass die Lust verloren geht,
nur einmal wegzulegen, dieses ach so tolle Gerät,
welches einem zwar ständig auf die Nerven geht,
doch diese gleichzeitig, wie Fäden, stets in Händen hebt.
Menschen werden zu Marionetten,
deren Marotten uns verrotten lassen.
Und wir nehmen das gelassen,
weil wir sowieso das Denken lassen,
seit ein Gerät es besser kann
und uns dann und wann sagt,
was man gerade so denkt
– oh mann,
Wiki – pedi – ja
nein, bewusster Nein zum Handy sagen,
nicht bei allem gleich das Handy fragen.
Wirklich mal abschalten um abzuschalten,
und nicht einschalten um abzuhalten,
von Dingen, die es auch noch gibt,
doch Dingen die man nicht so liebt,
wie pausenlos Berieselung,
Stund um Stund, egal wie dumm.
Denn wie könnte es wohl sonst schon sein,
dass wir teils zwar gemeinsam als Herdentier verweilen
und dann doch nur einen Moment, wie den folgenden, einsam miteinander teilen:
Man liegt nebeneinander, könnte Sachen bereden, sich Geschichten erzählen,
doch muss sich stattdessen durch nichtssagende Tiktok Videos quälen.
Man könnte gemeinsam Quatsch machen,
gemeinsam drüber lachen,
Erinnerungen schaffen,
doch schafft es stattdessen nicht mal, das Handy einfach Handy sein zu lassen.
Und für manche klingt medialer Kontakt vielleicht ausreichend
und ausreichend genial,
doch für mich bedeutet parasozial,
leider häufig nur nichtssagend und ziemlich egal.
Dazu kommt dann noch asozial:
Ständiges Vergleichen, eine echte Qual.
Und auch die Netzwerke selbst fördern dies ja ohne jegliche Moral.
Ich mein Schön sein kann leicht sein,
doch muss leicht sein gleich schön sein?
Nein, denn egal wozu ein Algorithmus vielleicht rät,
bitte überdenkt noch drei Mal jede Form einer Diät.
Wir müssen aufhören, mit einem Körperbild,
das jeder ewig anhimmelt,
denn dieses ist utopisch
und wers normalisiert nicht ehrlich
Und trotzdem läuft es doch häufig so:
Schwups di Wups ein Bild gemacht,
dank Handy ist das schnell vollbracht,
doch solange wir dem keine Bedeutung geben,
könnten wir Idee und Handy ja auch gleich weglegen.
Es ist die Frage nach der Waage,
die einen in dieser Richtung umtreibt.
Ich will ein Bild knipsen,
will den Moment festhalten
und dann noch, dass er so bleibt.
Und so ist jeder Tag gerad’,
ein gewagter Sprint auf einem Grat,
weil uns die Schnelllebigkeit,
doch schnell und ständig umtreibt
und wir in diesem reißenden Fluss,
des “Was ich noch so posten muss”,
trotzdem der Eisberg sein wollen,
der heraussticht und Veränderung erbringt,
nur bleibt die Frage, ob dies am Ende wirklich etwas bringt.
Ob man hier nicht eigentlich etwas erzwingt,
das auf diesem Wege nur höchst selten, wenn nicht gar nie gelingt.
Und man traurig und allein,
mit allen Followern und Likes,
im unausgesprochenen, tiefen Wasser,
Der Titanic und dem Tode näher eilt.
Denn wie ein Eisberg, der Sieben Achtel von sich selbst unter der Oberfläche barg,
passiert auch uns allen, dies, online, leider Tag für Tag.
Oberflächlich findet dort die Selbstdarstellung statt,
und gerade daran sieht sich jeder doch immer schneller satt.
Die mangelnde Konzentrationsfähigkeit,
die mit Vollgas hinterher zu eilen scheint,
ist doch keine große Überraschung,
Bedenke man, wie wir uns täglich den Kopf mit Content waschen.
Und bei dieser Flut an Informationen,
wirklich das raus zu holen,
was wir gesucht hatten
und dabei keinen Fake News im Netz ins Netz zu tappen,
Ist wahrlich eine Meisterleistung,
Und dennoch, die ständige Erreichbarkeit,
hat in all dem auch ihre Wichtigkeit.
Tuten und vibrieren, die Nerven nicht verlieren,
trotz ständigem Brummen, trotz ständigem Summen –
Ich bin ganz ehrlich, da kann man nur verdummen.
Denn jederzeit bereit sein,
keine Zeit für Freizeit,
immer nur ständig on the line sein,
online sein,
egal zu welcher Uhrzeit,
– da ist der Weg zur nächsten Krankheit,
eben gar nicht mal so weit.
Deshalb hier zwei Prämissen,
legt es weg – ihr werdet’s nicht vermissen.
Macht die Benachrichtigungen einfach aus
und genießt endlich wieder Ruhe Zuhaus.
Und vielleicht sollten wir
dann doch lieber der Felsen in der Brandung sein.
Der nicht den Zwang verspürt
Hier und jetzt, alles gleich sofort zu teilen.
Wie ein Luftballon, der immer höher und höher fliegt und erlebt
und dennoch dem sozialen Druck des Postens stets entgeht.
So sollten auch wir viel öfter gemeinsam Erinnerungen teilen,
nicht im Netz, aber dennoch dort, wo sie ewig verweilen.
Bei dir und mir im Herzen,
frei von Sorgen, Stress oder Schmerzen,
weil sie unsere sind,
wie ein Kind, das zu lachen beginnt,
jeden Moment in sich aufsaugt
und dann glücklich und zufrieden sein Sandkastenhaus baut.
So will auch ich wieder kindlich Momente genießen, bevor sie vergehen.
Wir alle sollten uns an Momente erinnern, denn nur so bleibt bestehen,
die wahre Freude und nicht unbedingt das, was wir als diese verbreiten,
damit die anderen es auf Instagram dann hoffentlich auch liken.
Und so wünsche ich jeder und jedem von Ihnen hier und heute Abend,
dass Sie am Ende ihres Lebens niemals diesen Schlusssatz sagen,
dass sie nicht viel gesehen, nicht viel gekannt,
weil sie die Welt erlebten – nur leider mit Handy in der Hand.
Vielen Dank!